Dienstag, 31. Januar 2017

Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. (Mk 5,27)

04 Woche im Jahreskreis – Dienstag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪5,21-43.

‪In jener Zeit fuhr Jesus im Boot ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war,

‪kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen

‪und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.

‪Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.

‪Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.

‪Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.

‪Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

‪Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.

‪Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war.

‪Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt?

‪Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt?

‪Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.

‪Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.

‪Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.

‪Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten zu Jaïrus: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger?

‪Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur!

‪Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.

‪Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten,

‪trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.

‪Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag.

‪Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!

‪Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.

‪Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.

 

 

Tagesimpuls:

 

Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. (Mk 5,27)

 

Vor ein paar Tagen hörten wir, dass die Menschenmenge sich an Jesus herandrängte (Mk 3,10). Auch heute ist es wieder so (Mk 5,24). Nun hören wir speziell von einer Frau, die sich an Jesus herandrängt. Sie ist schon zwölf Jahre krank und hat sich vielfach vergeblich um Heilung bemüht. Ganz sicher hat sie auch zu Gott gebetet, aber ihre Gebete sind noch nicht erhört worden. Nun setzt sie alle Hoffnung auf Jesus. Ich finde wichtig, dass diese Frau immer noch Hoffnung hat. Nach so langer Zeit ist die Gefahr groß, dass man resigniert. Vielleicht haben auch wir Probleme, die wir schon lange mit uns herumschleppen. Diese Frau kann uns lehren, dass wir nie die Hoffnung aufgeben sollen, auch wenn wir schon viele Jahre unter einem Problem leiden.

 

Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

 

Ebenfalls lernen wir von dieser Frau, wie wichtig die praktische konkrete Berührung Jesu ist. Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, nicht nur Geistwesen. Daher ist es wichtig, an welchem Ort wir uns aufhalten, dass wir nicht nur geistlich, sondern auch körperlich die Nähe Jesu suchen. Der Heilige Geist ist sehr, sehr wichtig. Und man kann und soll überall beten. Aber Jesus, der Fleischgewordene, ist auch sehr wichtig. Wir sollen ihn aufsuchen, dort wo er wohnt, im Tabernakel, in der realen Kirche, wo die Menschen sich versammeln und seinen Leib bilden. Dort berühren wir ihn. Sogar wenn die Menschen, die sich um Jesus scharen, die konkret existierende kirchliche Gemeinde, uns von Jesus wegdrängen will – vielleicht weil sie selber nicht sehr gläubig ist – sogar dann sollen wir uns von den Menschen nicht davon abhalten lassen, zu Jesus vorzudringen. In jedem Gottesdienst ist das unsere Aufgabe. Wir sollen zu Jesus vordringen, uns an ihn herandrängen. Wir sollen uns Mühe machen, Jesus in der Kirche im Tabernakel aufzusuchen. Die Frau war davon überzeugt, dass sie nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Nähe zu Jesus brauchte, um geheilt zu werden. Sie hatte einfach Hoffnung, das ist für uns ein großes Vorbild.

 

Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

 

Gebet:

Jesus, wir sollen uns an dich herandrängen! Danke für die Sakramente, die körperlichen Zeichen des Heils, das du schenkst. Wir wollen ebenso wie dich auch den Heiligen Geist verehren. Wir wollen keinen künstlichen Gegensatz aufbauen, der nicht existiert. Heiliger Geist, wir danken dir für deine geistige Nähe zu uns, der du überall da bist. Du bist es, der die Sakramente lebendig macht, du bist es, der die Gaben von Brot und Wein heiligt, damit Jesus in ihnen gegenwärtig wird. Ohne dich kann kein Sakrament wirksam und fruchtbar werden. Aber du willst uns zu Jesus führen. Du fühlst dich nicht zurückgesetzt, wenn wir die körperliche Nähe zu Jesus in den Sakramenten suchen. Im Gegenteil. Wir brauchen das Ganze, wir brauchen dich, Heiliger Geist, wir brauchen dich, Jesus, wir brauchen die körperliche Nähe zu dir, Jesus, in der Kirche, in den Sakramenten. Erst wenn alles zusammenkommt, Du, Heiliger Geist, du, Jesus, die Kirche, die Sakramente, erst dann leben wir in der Fülle der Gnade. Danke Jesus! Danke Heiliger Geist!

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

Montag, 30. Januar 2017

Geh nach Hause! (Mk 5,19)

04 Woche im Jahreskreis – Montag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪5,1-20.

‪In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa.

‪Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen,

‪in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln.

‪Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen.

‪Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen und schlug sich mit Steinen.

‪Als er Jesus von weitem sah, lief er zu ihm hin, warf sich vor ihm nieder

‪und schrie laut: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!

‪Jesus hatte nämlich zu ihm gesagt: Verlass diesen Mann, du unreiner Geist!

‪Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete: Mein Name ist Legion; denn wir sind viele.

‪Und er flehte Jesus an, sie nicht aus dieser Gegend zu verbannen.

‪Nun weidete dort an einem Berghang gerade eine große Schweineherde.

‪Da baten ihn die Dämonen: Lass uns doch in die Schweine hineinfahren!

‪Jesus erlaubte es ihnen. Darauf verließen die unreinen Geister den Menschen und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. Es waren etwa zweitausend Tiere, und alle ertranken.

‪Die Hirten flohen und erzählten alles in der Stadt und in den Dörfern. Darauf eilten die Leute herbei, um zu sehen, was geschehen war.

‪Sie kamen zu Jesus und sahen bei ihm den Mann, der von der Legion Dämonen besessen gewesen war. Er saß ordentlich gekleidet da und war wieder bei Verstand. Da fürchteten sie sich.

‪Die, die alles gesehen hatten, berichteten ihnen, was mit dem Besessenen und mit den Schweinen geschehen war.

‪Darauf baten die Leute Jesus, ihr Gebiet zu verlassen.

‪Als er ins Boot stieg, bat ihn der Mann, der zuvor von den Dämonen besessen war, bei ihm bleiben zu dürfen.

‪Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: Geh nach Hause, und berichte deiner Familie alles, was der Herr für dich getan und wie er Erbarmen mit dir gehabt hat.

‪Da ging der Mann weg und verkündete in der ganzen Dekapolis, was Jesus für ihn getan hatte, und alle staunten.

 

 

Tagesimpuls:

 

Geh nach Hause! (Mk 5,19)

 

Nicht jeder hat die Berufung, mit Jesus in ferne Länder zu reisen, wie z.B. der Apostel Paulus. Es gibt auch Menschen, die die Berufung haben, zu Hause zu leben und dort der Familie das Evangelium zu verkünden. „Berichte deiner Familie", sagt Jesus. Die Familie ist ein sehr wichtiger Ort. In der Familie das Evangelium zu verkünden, ist ein sehr wichtiger Auftrag. Man kann nicht sagen, dass eine apostolische Berufung wichtiger oder besser wäre. Die Berufung, zu Hause zu evangelisieren, hat auch ihre ganz besondere Schönheit, ihren besonderen Reiz, und ist genauso wichtig.

 

Geh nach Hause!

 

Viele Menschen sind auch deshalb zu Hause, weil sie hilfsbedürftige Angehörige pflegen. Immer wieder hört man von älteren Menschen, dass sie nicht in ein Heim wollen. Es ist ein großer Liebesdienst, wenn man ihnen ermöglicht, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben, solange dies möglich ist. Die liebende Sorge für einen Kranken ist schon ein großes Zeugnis für Christus, für das christliche Leben. Man muss im Einzelfall natürlich prüfen, ob dies möglich ist, und was der Wille Gottes ist. Es gibt hier keine allgemeine Verhaltensregel. Ich will nur den Wert herausstellen, der mit einer Berufung nach Hause verbunden ist, wenn jemand diesen Ruf von Jesus hat.

 

Geh nach Hause!

 

Wenn man am richtigen Platz lebt, dann wird man glücklich. Je mehr wir in unsere Bestimmung hineinfinden, umso glücklicher werden wir, umso mehr Liebe können wir verschenken, umso mehr können wir unsere Gesellschaft positiv beeinflussen. Daher ist es so wichtig, dass wir unseren eigenen Weg finden. Wir dürfen uns nicht von einer Gesellschaft beeinflussen lassen, die die Berufstätigkeit und das Geldverdienen vergöttert. Was nützt mir die Berufstätigkeit, wenn ich mich darin nicht wohl fühle und Jesus mich nach Hause, zu meiner Familie ruft? Das wichtigste ist, dass ich mich wohl fühle in meiner Haut, dass ich glücklich werde, dass ich meine eigene Berufung finde. Das soll nicht als Egoismus missverstanden werden. Bei der Berufung geht es immer darum, dass ich nicht um mich selber kreise, sondern dass ich den Ort finde, an dem ich am besten in die Liebe hineinwachse. Es geht um mich, ja, aber es geht um meinen Platz in der Gemeinschaft, es geht darum, was ich für die Gemeinschaft tun soll, dass mein Leben mit Sinn erfüllt. Wenn ich am richtigen Platz lebe, dann bin ich zufrieden, und dann wachse ich in der Liebe.

 

Gebet:

Jesus, danke, dass du uns Menschen so unterschiedlich berufst. Danke, dass du uns heute zeigst, wie wichtig eine Berufung in der Familie und für die Familie ist. Hilf uns allen, dass wir uns selber treu bleiben, d.h. dass wir dir treu bleiben, dass wir dem treu bleiben, was du in uns hineingelegt hast. Jesus, ich danke dir so sehr für meine Berufung, und ich bitte dich, lass alle Menschen mindestens so glücklich werden und ihren Platz in unserer menschlichen Gemeinschaft finden.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

Samstag, 28. Januar 2017

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. (Mt 5,6)

04 Sonntag im Jahreskreis

 

EVANGELIUM

Mt 5, 1-12a

 

In jener Zeit

1als Jesus die vielen Menschen sah, die ihm folgten, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.

2Dann begann er zu reden und lehrte sie.

3Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.

4Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.

5Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

6Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

7Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

8Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

9Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

10Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.

12Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein.

 

 

Tagesimpuls:

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden. (Mt 5,6)

 

Jesus möchte, dass wir eine Sehnsucht in uns haben. Das Wort Gerechtigkeit dürfen wir nicht zu eng fassen. Es ist mehr als nur, dass man etwas gerecht verteilen müsste. Denken wir z.B. an den Römerbrief, wo Paulus intensiv unsere Gerechtigkeit vor Gott und unsere Rechtfertigung durch den Glauben diskutiert. Gerechtigkeit ist im biblischen Zusammenhang so ähnlich, wie wenn man heute sagt: „Dieser Mensch ist ein guter Christ." Oder sogar: „ein Heiliger, ein heiligmäßig lebender Mensch". Es geht darum, dass unser Leben insgesamt richtig ist vor Gott. In diesem Sinne ist die Sehnsucht nach Gerechtigkeit gleichzusetzen mit einer Sehnsucht nach Heiligkeit. Und diese Sehnsucht wiederum kann jemand, der Jesus verstanden hat, nicht für sich allein leben. Wir sehnen uns danach, dass viele Menschen, ja unsere ganze Gesellschaft heilig lebt vor Gott, dass der Friede und die Liebe Christi überall Einzug hält. Man sieht dies schon in der Kirchengeschichte. Wo ein Heiliger ist, da sind meistens auch mehrere Heilige zu finden, denn einer inspiriert den anderen. Heilige ziehen meistens ein ganzes Gefolge von anderen Heiligen nach sich.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Unser Hunger und unsere Sehnsucht beziehen sich also auf die Heiligung, unsere eigene und die der Menschen um uns herum. Nun sollen wir uns fragen: wie steht es mit unserem Hunger, wie steht es mit unserem Durst? Bin ich eigentlich satt? Oder gibt es in mir diesen Hunger? Wenn ich mich nach diesem Hunger sehne, dann sollte ich darauf achten, dass ich mich nicht zu sehr an Sachen sättige, die in die falsche Richtung gehen. Wenn ich z.B. vor einem wunderbaren gemeinsamen Essen, zu dem ich eingeladen werde, meinen Bauch mit Schokoriegeln vollstopfe, dann vergeht mir der Hunger und der Appetit, und ich kann das eigentliche Essen nicht mehr so genießen. Wenn ich will, dass meine Sehnsucht nach dem Reich Gottes wächst, dann muss ich auch darauf achten, dass ich mich nicht mit falschen Dingen vollstopfe.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Der Hunger hat viel zu tun mit unserer Gotteskindschaft. Ein Kind ist offen, es will lernen, es vertraut. Ein Erwachsener denkt, er wüsste schon alles, er ist nicht mehr bereit zu lernen. Daher müssen wir Kinder bleiben vor Gott. Wir müssen uns immer diese Bereitschaft bewahren. Wir müssen in der Haltung bleiben: „Herr, lehre mich, ich weiß noch gar nichts, ich will von dir lernen." Und in der Tat, vor allem, wenn wir bedenken, wie viel Übernatürliches es allein auf dieser Welt gibt, von dem wir fast gar keine Ahnung haben, dann haben wir allen Grund, in dieser offenen, lernbereiten Haltung der Kinder zu bleiben. Vielleicht geschieht deswegen so wenig Übernatürliches bei uns, weil wir alle viel zu gebildet sind. Wir haben unsere Theologie, haben Gott in unsere Box gesperrt, und wir erwarten nicht mehr von ihm, als wir uns jetzt vorstellen können. Damit meine ich nicht die anderen. Jeder sollte ich selbst prüfen, ob er nicht eingefahren ist in ein Denksystem, und ob er wirklich noch den Hunger hat, völlig Neues von Gott zu lernen, was vielleicht nicht nur sein Denksystem, sondern auch sein Leben erschüttern würde.

 

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

 

Hunger und Durst haben! Dazu fällt mir viel ein! Die ganze Sehnsucht in meinem Herzen nach mehr von Gott, mehr übernatürlichem Handeln Gottes in unserer Welt, in unserer Gesellschaft, mehr Glaube, mehr Liebe, mehr Hoffnung! Ein Kind will wachsen, ein Christ will mehr vom Reich Gottes erleben. Bewahren wir uns diese Sehnsucht nach mehr Fülle! Und achten wir darauf, dass wir uns nicht mit falschen Dingen vollstopfen, die unsere Sehnsucht ersticken, unseren Hunger vorzeitig stillen.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir von ganzem Herzen, dass du uns anregst, mehr Sehnsucht, mehr Hunger zu entwickeln. Ich bitte dich um Verzeihung, dass ich oft viel zu satt bin. Dass ich bei meinen primären Bedürfnissen stehen bleibe und dich an die zweite Stelle gesetzt habe. Gib mir Liebe ins Herz, dass ich wirklich mit den Bedürftigen leide, dass ich wirklich voller Sehnsucht um den Frieden und um göttliche, übernatürliche Lösungen bete! Gibt mir Hunger und Durst nach dem Reich Gottes, nach deiner Gerechtigkeit, nach Heiligkeit unseres Lebens.

 

 

Pastor Roland Bohnen

 

 

 

 

Freitag, 27. Januar 2017

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht. (Mk 4,28)

03 Woche im Jahreskreis – Freitag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪4,26-34.

‪In jener Zeit sprach Jesus: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät;

‪dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie.

‪Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre.

‪Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.

‪Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben?

‪Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät.

‪Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können.

‪Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten.

‪Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.

 

 

Tagesimpuls:

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht. (Mk 4,28)

 

Wenn man den Samen einmal gesät hat, dann kann man sich sozusagen schlafen legen, dann wächst das Reich Gottes von selbst. Das durfte ich erleben in den vergangenen Tagen. Unabhängig von einander kamen mehrere Menschen auf mich zu, die mir ihre Bereitschaft erklärten, sich ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren oder in Zukunft an der Gemeinschaft teilzunehmen, an den Gottesdiensten, in der Gemeinde. Jeder ist anders, jeder in seiner je eigenen Art, aber ihnen allen gemeinsam ist, dass sie unaufgefordert auf mich zukamen.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Natürlich wurde in jedem einzelnen irgendwann einmal der Same gesät. Es gibt Menschen, die ihnen den Glauben nahebrachten, oder, die ihnen eine gewissen Sympathie an der Kirche vermittelt haben, die jetzt der Grund dafür war, dass sie sich bei mir gemeldet haben. Irgendwann wird der Same gesät. Und irgendwann, zu einer bestimmten Zeit, die nur Gott kennt, entsteht eine sichtbare Frucht.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Eigentlich müssten wir es doch verstehen, aber es ist scheinbar doch nicht so leicht, das zu verstehen: Alles Wichtige im Leben kann man sich nicht erarbeiten, das muss man geschenkt bekommen: Die Liebe, die Freundschaft, die Gesundheit, das Leben, die Familie usw. Wir meinen aber immer noch, wir könnten uns eine fruchtbare Kirche erarbeiten, durch unsere Konzepte, durch gute Veranstaltungen, durch gute Werbung etc. Ein kleiner Funke Wahrheit steckt in diesen Überlegungen. Wir müssen den Samen säen, wir müssen bereit sein, auf die Menschen zuzugehen, teilzunehmen an ihrem Leben und das Wort Gottes verkünden – in welcher Form auch immer. Wir dürfen nicht einfach die Hände in den Schoß legen und nichts tun. Aber dann, wenn wir das getan haben, dann ist alles Geschenk. Dann können wir das Wachstum nicht beeinflussen. Wir können nicht durch unsere Aktivitäten das Reich Gottes produzieren, sondern das sind Entwicklungen, die wir nicht selber in der Hand haben.

 

Die Erde bringt von selbst ihre Frucht.

 

Was wir immer tun sollen, das ist das Gebet: „Dein Reich komme!" Das hat uns Jesus gelehrt. Das ist kein „Erarbeiten" der Frucht, sondern es ist ein Sich-Öffnen für das Wirken Gottes. Im Gebet machen wir uns mit Gott eins, mit seiner Sehnsucht, mit seinem Herzschlag, mit seinem Willen. Gott sehnt sich nach dem Reich Gottes hier auf Erden, und durch das Gebet öffnen wir seinem Wirken die Türen. Aber auch das ist keine Leistung, die wir erbringen, sondern ein Sich-Öffnen, sozusagen wie das Abholen seiner Geschenke. Aber es bleibt dabei: Auch wenn wir beten und den Samen aussäen, das Wesentliche ist ein Geschenk, für das wir uns öffnen, das wir aber nicht machen können.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass die wichtigsten Dinge im Leben Geschenke sind, und nicht der Erfolg unserer Arbeit und Mühe. Hilf mir, dass ich an dich glauben kann, dass ich dir vertrauen kann, dass du das Reich Gottes wachsen lässt. Schenke mir Gelassenheit und Gottvertrauen. Lass uns erleben, wie dein Reich wächst in den Herzen der Menschen, und wie deine Kirche immer lebendiger wird.

 

 

Pastor Roland Bohnen