Freitag, 10. Februar 2017

Danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! (Mk 7,34)

05 Woche im Jahreskreis – Freitag

 

‪Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus - Mk ‪7,31-37.

‪In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

‪Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.

‪Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;

‪danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

‪Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit, und er konnte richtig reden.

‪Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.

‪Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

 

 

Tagesimpuls:

 

Danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich! (Mk 7,34)

 

Jesus vollzieht einige symbolische Handlungen an dem Kranken, indem er ihn von der Menge wegnimmt, die Finger in die Ohren legt und seine Zunge mit Speichel berührt. Das darf man nicht mit Magie verwechseln. Bei der Magie vollzieht man symbolische Riten, um sich damit des Übernatürlichen zu bemächtigen. Wenn Jesus symbolische Handlungen vollzieht, dann sind das keine Zauberformeln, sondern er tut das, weil das für den Kranken gut ist. Aus irgendeinem Grund hilft es dem Kranken, sich auf die Heilung vorzubereiten und die Heilung anzunehmen. Die Erfahrung lehrt uns, dass das Mitmachen des Kranken – auch bei übernatürlichen Heilungen – manchmal notwendig sein kann.

 

Danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

 

Wir sehen, wie Jesus zum Himmel aufblickt und seufzt. Es könnte sein, dass auch dies noch mit zu der symbolischen Handlung gehört, die Jesus um des Kranken willen vollzieht. Aber ich sehe hier auch einen Hinweis für uns, die wir für Kranke beten. Jesus blickt zum Himmel auf, das heißt, dass er sich im Gebet sammelt, dass er innerlich für sich die Beziehung zu seinem Vater sucht. Jesus seufzt, das heißt, dass er angestrengt betet, nicht oberflächlich, sondern innig. Hierin wird besonders deutlich, dass Jesus sich nicht magischer Handlungen bedient, sondern dass er sein ganzes Vertrauen auf Gott allein setzt, von dem er jetzt die Hilfe erwartet. Das ist für uns wichtig. Wir müssen innig beten, flehen seufzen; es muss uns wirklich ein Anliegen sein. So innerlich, wie ich bete, so wichtig, wie mir das Anliegen ist, so sehr kann ich dem Kranken auch mit meinem Gebet helfen. Es ist letztlich eine Frage der Liebe zu diesem Kranken.

 

Danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

 

Dass er dann den Taufstummen auffordert, „öffne dich!", ist aufschlussreich. Er soll sich öffnen. Dann beginnt man nachzudenken: Hat diese Öffnen etwas mit der Menschenmenge zu tun, von der Jesus ihn weggenommen hat? Kann er sich vielleicht deswegen nicht öffnen, weil er irgendwie Angst vor Menschen hat? Ist er vielleicht traumatisiert? Wenn man in diese Richtung denkt, dann verseht man auch, warum Jesus all diese Zeichenhandlungen an ihm vollzogen hatte. Wahrscheinlich musste er mit ihm durch einen Prozess gehen, einen Heilungsprozess, der als Ganzes dem Kranken Schritt für Schritt geholfen hat, sich wieder zu öffnen.

 

Danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

 

Nun sehe ich eine Parallele zur heutigen Zeit. Es gibt heute auch Heilungscharismatiker, die Zeichenhandlungen vollziehen. Z.B. pusten sie den Menschen, für die sie beten, ins Gesicht, oder sie klatschen laut in die Hände. Dann gibt es Kritiker, die sich total darüber aufregen. Aber kann es nicht möglich sein, dass genau so ein Klatschen einen Menschen aufweckt? Dass solche Zeichenhandlungen dem Menschen, für den gebetet wird, helfen können, innerlich mitzugehen und die kleinen inneren Schritte zu vollziehen, die nötig sind, damit er geheilt werden kann? Hier handelt es sich nicht um Dogmatik, sondern um Pastoral, wenn man so will. Es geht nicht um allgemeingültige theologische Inhalte, sondern um seelsorgliche Erfahrungen beim Heilungsgebet. Jesus hat sich auf die Menschen eingestellt. Jedes Heilungsgebet verlief anders, weil jeder Mensch anders ist. Jesus ist Seelsorger. Er führt den Menschen in seine Heilung hinein, auf einem Weg, der speziell für ihn der richtige ist.

 

Gebet:

Jesus, ich danke dir, dass du uns so individuell behandelst. Du gehst auf uns ein, auf unsere Stärken und Schwächen. Du führst jeden seinen eigenen Weg. Ich bitte dich für unsere Kirche, dass wir wieder viel mehr Erfahrungen sammeln mit dem Heilungsgebet. Dass wir dabei erkennen, was für die einzelnen wichtig ist, wie wir dem einzelnen am besten helfen können, seine Heilung anzunehmen. Ich danke dir auch für die Heilungscharismatiker, die Vorreiter sind in der Kirche. Und ich bitte dich, dass du dieses Charisma der Heilung noch viel mehr Menschen schenkst, dass wir alle noch viel mehr hineinwachsen in unsere Berufung und in das Leben der Charismen.

 

 

Pastor Roland Bohnen